Quantenmechanik und Erziehung

Für mich ist nur ansatzweise greifbar, was die Quantenmechanik über die Gesetze des Mikrokosmos herausgefunden hat. Besonders dies: Dass ein Teilchen gleichzeitig an verschiedenen Positionen sein kann (Superposition). Dieses Potential, an mehreren Orten gleichzeitig zu sein, verliert es in dem Augenblick, in dem es beobachtet wird. Unfassbar.

Was bedeutet das für uns als Erzieherinnen und Erzieher?

Ein Denkanstoß, dass Beobachtung alles andere ist als passiv. Pure Beobachtung verändert schon. Es macht einen Unterschied, ob ein Kind, wenn es fällt, wenn es gemalt oder sich gestritten hat, von der Erzieherin oder dem Erzieher gesehen wird, oder nicht. Und ein Kind verhält sich im Spiel anders, wenn sich beobachtet weiß. Der 5-jähriger Junge verhält sich anders, wenn ihn ein gleichaltriges Mädchen beobachtet. Das 3-jährige Mädchen stellt sicher, bevor es von der Mauer springt, dass die Erzieherin sie auch beobachtet.

Gesehen werden, erkannt werden, verstanden sein. Diese (nicht nur) kindlichen Bedürfnisse geben uns Erzieherinnen und Erziehern eine gehörige Portion Macht, denn. Wie wir das Kind sehen, kann in entscheidendem Maße beeinflussen, wie sich das Kind selbst sieht. Und wir Menschen brauchen ein Gegenüber um uns selbst zu erkennen, nach Martin Buber: „Der Mensch wird am Du zum Ich.“

Ein Beispiel: Yasin kommt stolz zur Erzieherin: Ich bin allein über den ganzen Wackelstamm balanciert.

Reaktion 1: „Ah. Hab ich gar nicht mitgekriegt.“
Reaktion 2: „Hab ich gesehen, da kannst du stolz auf dich sein!“
Reaktion 3: „Ja, du hast auch ganz schön lange mit Joanna geübt, ne? Gutes Team seid ihr.“
Reaktion 4: „Hör auf mich immer zu unterbrechen und warte, bis ich mit Jonne fertig gesprochen habe.“
Reaktion 5: „Das interessiert mich. Warte kurz, ich bin gleich voll bei dir.

Jede Reaktion wird die Bedeutung dieses Erlebnisses für Yasin anders färben und ihr Selbstbild entsprechend prägen.

Das Potential in einem Kind zu sehen, was es selbst noch wenig sieht, das Besondere in ihm zu erkennen, das sonst nur wenige bemerken, öffnet dem Kind die Chance, das zu werden was es ist.

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