Anji Play – Selbstreflexion mit Smartphone-Hilfe

True Play: der Fokus im Anji Play

Anji Play ist eine Erziehungs-Methode, die ihren Ursprung im ländlichen Westen Chinas. Die Kern-Idee ist genial. Spielt das Kind aus sich heraus (true play), heißt es für die Erzieherinnen und Erzieher:

„Hände runter, Münder zu, Ohren und Augen auf um das Kind zu hören und zu sehen.“

(Coffino & Bailey S.6).

Und oft auch: Smartphone raus. Denn die Beobachtung wird durch Bilder und Videos ergänzt.

Play Sharing: die geniale Methode des Anji Play

Der Reflexion wird im Anji Play besondere Zeit gewidmet, sogenannte „play sharing“ sessions. Gemeinsam mit dem Kind werden die Aufzeichnungen angeschaut, das Kind wird gebeten, sein Erlebnis zu beschreiben.

„Die Kinder reflektieren mit Selbstbewusstsein und Klarheit ihr komplexes Problemlöse-Verhalten, ihr Entdecken und ihre Einsicht, ihre Konfliktlösungen und ihr soziales Verhandeln in ihrem eigenen Spiel. […] Dieses „play sharing“ verlangt nur sehr wenig aktive Führung von den Erzieherinnen und Erziehern, verlangt stattdessen Aufmerksamkeit für die Richtung, in die die Gedanken und Äußerungen des Kindes gehen […].“

(ebd., S. 6-7)

Was bedeutet das für uns als Erzieherinnen und Erzieher?

Dass Videos und Bilder vom Spiel der Kinder große Entwicklungsmöglichkeiten entfalten können. Zu bedenken ist, dass das Bewusstsein der Kinder, dass sie aufgenommen werden, ihr Verhalten beeinflussen wird. Und dass Datenschutzrechte aller Beteiligten diskutiert und respektiert werden müssen.

Die größte je durchgeführte Studie über Einflussgrößen auf den Lernerfolg (John Hattie, 2008) gewichtet 252 Faktoren, die für Lernen wichtig sind (zwar bezogen auf die Schule, aber natürlich in teilen Kita-Kinder übertragbar). Darunter taktile Stimulation, Geburtsgewicht und Nichtetikettierung von Lernenden. Der stärkste Einflussfaktor jedoch war: „Selbsteinschätzung“.

Anji Play zeigt eine Möglichkeit, die Kinder in ihrer Fähigkeit zur Selbsteinschätzung, zur Reflexion und zur Steuerung des eigenen Lernens zu unterstützen.

 

Quellen:

Robert Coffino, J.; Bailey, C.: „The Anji Play Ecology of Early Learning“, Januar/Februar 2019, eigene Übersetzungen, auch im Internet: http://online.fliphtml5.com/ohmg/qdxm/#p=5.

Visible Learnung, https://visible-learning.org/de/hattie-rangliste-einflussgroessen-effekte-lernerfolg/, Aufruf: 23.05.2020.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und die Datenschutzerklärung

Das educational horizons Blog

Sei eine gute Erzieherin.
Lass dich begeistern von der faszinierenden Welt der Pädagogik.

 

Wieder eine motivierte Erzieherin werden – 10 Tipps

Wieder eine motivierte Erzieherin werden – 10 Tipps

Dummytext Erwarte nicht, dass du Prinzipien findest, die dir das Erziehen leicht machen. Aber bleib auf der Suche danach. In der Erziehung gibt es selten Rezepte, Gesetze pauschale Lösungen. Aber lass dich deswegen nicht davon abhalten, aus erlebten Situationen zu...

Taoistische Erziehungstipps von 350 v. Chr.

Taoistische Erziehungstipps von 350 v. Chr.

Überraschend pragmatisch: Dschuang Dsi, neben Lao Dsi der bedeutendste Autor des Taoismus, schreibt im Wahren Buch von Südlichen Blütenland: "Der beste Weg ist es, im äußeren Benehmen auf ihn einzugehen, dabei in der inneren Gesinnung unbeirrbar zu bleiben. Immerhin,...

Entschlossen, gut zu sein

Entschlossen, gut zu sein

In unzähligen Unterrichtsstunden, Praxisbesuchen und Beratungsgesprächen habe ich gemerkt, dass es zwei Typen von Erzieherinnen und Erziehern gibt: Die einen sparen ihre Ressourcen. Sie geben 70 Prozent. Sie wollen gute Erzieherinnen sein, aber sie fahren mit...

Lesen ist schon mal gut.